Eine elegante Geste darf keine Zugangshürde sein
Eine Karte mit der Maus zu verschieben wirkt selbstverständlich. Dabei muss man die Taste gedrückt halten, das Objekt führen und ein Ziel treffen. Auf dem Smartphone kommt der Konflikt mit dem Scrollen hinzu. Deshalb beginnen wir mit dem gewünschten Ergebnis: eine Reihenfolge ändern, einen Wert wählen oder ein anderes Bild ansehen. Ziehen ist nur eine Möglichkeit, dieses Ergebnis zu erreichen. Eine durchdachte Oberfläche lässt diese Möglichkeit bestehen, verlangt aber nicht von allen Menschen dieselbe Präzision.
Zwei Wege müssen wirklich dasselbe leisten
Bei einer Liste können neben dem ausgewählten Eintrag die Aktionen Nach oben und Nach unten erscheinen. Für den Wechsel zwischen Gruppen eignet sich eine Auswahl der Ziele. Ein Schieberegler kann durch ein Eingabefeld für den genauen Wert oder passende Schritttasten ergänzt werden. Eine Galerie erhält gewöhnliche Vor- und Zurück-Schaltflächen. Beide Bedienwege müssen dieselben Daten ändern, dieselben Grenzen beachten und das Ergebnis gleich deutlich anzeigen. Auch das Verhalten am Anfang oder Ende einer Liste sollte verständlich sein. Eine sichtbare Alternative ohne gleichwertige Funktion hilft nicht.
Was die Anforderung zur Barrierefreiheit bedeutet
WCAG 2.2 verlangt in Erfolgskriterium 2.5.7 für Ziehfunktionen eine Bedienmöglichkeit mit einem einzelnen Zeiger ohne Ziehbewegung. Ausnahmen betreffen wesentlich erforderliches Ziehen und unverändertes Verhalten des Benutzeragenten. Tastaturbedienung allein erfüllt diese Anforderung nicht: Am Touchscreen steht möglicherweise keine physische Tastatur zur Verfügung. Sie bleibt dennoch separat wichtig. Unser Beitrag zur Navigation ohne Maus erläutert diesen Aspekt. Normales, vom Browser gesteuertes Scrollen ist nicht mit einer eigens programmierten Ziehfunktion gleichzusetzen.
Eine Aufgabe vollständig durchspielen
Ordnen Sie drei Elemente ausschließlich mit einzelnen Klicks oder Tipps neu. Wiederholen Sie die Aufgabe mit Tastatur und Smartphone. Ist die Auswahl erkennbar? Wird der neue Platz deutlich? Lässt sich ein Fehler korrigieren? Die alternative Bedienung darf nicht erst beim Darüberfahren mit der Maus erscheinen. Prüfen Sie Abstände und verständliche zugängliche Namen der Schaltflächen. Für uns zählt, ob mehrere nachvollziehbare Wege zum gleichen Ziel führen. Eine gelungene Animation allein genügt nicht. Diese Komponentenprüfung ersetzt keine Prüfung der Barrierefreiheit der gesamten Website.
